Die abm inclumedia® gestaltet kollektives Erinnern aktiv mit: Die Landeshauptstadt München eröffnete am Montag, 10. Februar 2025 den „Erinnerungsort München-Riem 1970“ mit einem Kunstwerk von Alicja Kwade – in Gedenken an einen tödlichen Terroranschlag auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens vor genau 55 Jahren. Für den internationalen Gedenkakt zur Eröffnung sowie die Online-Präsenz der Stadt produzierten wir einen 12-minütigen Dokumentarfilm, der sowohl die Geschehnisse von damals erzählt als auch den Hinterbliebenen Stimme und Raum gibt.
Geschehnisse des 10. Februar 1970
Der Anschlag von 1970 brachte erstmals den Nahostkonflikt in die bayerische Landeshauptstadt und markierte damals den Beginn einer Reihe terroristischer Aktivitäten. Am 10. Februar 1970 stürmten drei bewaffnete Terroristen das Rollfeld des Flughafens München-Riem und griffen das Personal sowie die Passagiere einer Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al an. Der deutsch-israelische Passagier Arie Katzenstein befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem Transferbus auf dem Rollfeld. Geistesgegenwärtig warf er sich auf eine Handgranate, um andere zu schützen, und erlag den Folgen der Explosion. Elf weitere Fluggäste erlitten teils schwere Verletzungen, darunter sein Vater Heinz Katzenstein, der Flugkapitän Uriel Cohen sowie die deutsch-israelische Schauspielerin Hanna Maron.
Internationale Dreharbeiten
„Besondere Menschen tun so etwas“, beschreibt Aries Bruder Yuval Katzenstein die selbstlose Aktion seines Bruders. Produziert wurde dieses Interview wie viele andere Szenen in Israel. Mit den dort stattfindenden Dreharbeiten in Haifa und Tel-Aviv sowie deutschlandweit in Berlin und München umspannt die Dokumentation zahlreiche internationale Handlungsorte. Im Auftrag des Kulturreferates der Landeshauptstadt München entstand so eine umfangreiche, zeitgeschichtliche Dokumentation – erzählt aus Sicht der drei betroffenen Familien des Anschlags: die des Piloten Uriel Cohen, der schwerverletzten Hanna Maron und ganz zentral die Familie des Opfers Arie Katzenstein.
Kunstwerk
Neben Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, besucht der Film auch die international renommierte Künstlerin Alicja Kwade. Ihre Skulptur am Ort des Geschehens, dem heutigen Firmensitz der Brainlab AG, zeigt in drei nachgebildeten und stilisierten Tower-Uhren die drei Momente der damaligen Handgranatenexplosionen. Im Kunstwerk selbst ist der Name des Opfers Arie Katzenstein eingraviert. Sein Sohn Ofer appelliert am Ende unserer Film-Dokumentation, man müsse Konflikte auf eine andere Art lösen, „und nicht mit Gewalt“ – eine Botschaft, die auch heute wichtiger denn je zu sein scheint.
Wir freuen uns, Teil dieses so immens wichtigen Projektes sein zu dürfen. Wir bedanken uns beim Kulturreferat der Landeshauptstadt München für das entgegengebrachte Vertrauen und sind stolz, die gemeinsame Aufarbeitung des Anschlags von damals aktiv mitgestalten zu können.